Journalismus der Dinge – Jakob Vicari und sein Buch

Jakob, du hast das Buch „Journalismus der Dinge: Strategien für den Journalismus 4.0“ veröffentlicht. Was ist die Idee hinter dem Buch?


Das Internet der Dinge setzt an, unser Leben zu verändern: Wir leben in Smart Homes, fahren vernetzte Autos und steuern schlaue Maschinen der Industrie 4.0. Aber der Journalismus nutzt diese Technologien kaum. Das ist die Idee vom Journalismus der Dinge: Dinge und Tiere werden zu Reportern. Sie haben eine ganz neue Perspektive auf die Welt. Was denkt mein Staubsaugerroboter über mich? Und was eine Honigbiene?

,Für die Leser, die Dich nicht so gut kennen. erzähle uns von Dir.


Ich bin klassisch ausgebildeter Journalist: Deutsche Journalistenschule, Studium, Promotion. Mit dem Internet habe ich erlebt, wie Technologie den Journalismus besser machen kann. Irgendwann dachte ich: Das Internet der Dinge wird nicht mehr weggehen. Das muss man doch für den Journalismus nutzen. So habe ich angefangen zu experimentieren. Schon vor zehn Jahren haben die Dinge auf meinem Schreibtisch getwittert, die Schere, das Notizbuch (@vicarisdinge). Als freier Journalist kann man ja einfach mal probieren.
In unserem WDR-Projekt Superkühe (superkuehe.wdr.de) haben drei Milchkühe aus ihrem Leben berichtet. Sensordaten haben den Tieren eine Stimme gegeben. Zum Beispiel über einen Pansensensor. Mit #bienenlive (bienenlive.wdr.de) haben wir dieses Jahr die WDR Zuschauer live mitgenommen in das Leben der Bienen. Ein einfacher Textroboter hat die Daten in ein Tagebuch der Bienenköniginnen übersetzt. Das ist eine neue, ergebnisoffene Form von Journalismus. Da spüre ich Leidenschaft, die das ist, wofür ich diesen Beruf ergriffen habe.

Wer oder besser wie kann eine Redaktion das umsetzen?


Redaktionen sehen sich zu oft als starre Gebilde, die immer wieder eine Form füllen müssen. Dabei erfinden sich Zeitungen und Magazine mit jeder Ausgabe neu. Diese Offenheit sollten sie nutzen. Leser schätzen es, wenn sie mithelfen können Daten zu sammeln. Wenn sie nicht fertige,  Geschichten vorgesetzt bekommen, sondern miterleben, wie etwas geschieht. Und vielleicht sogar, wie etwas schiefgeht. Bei fallenden Auflagen, schwindenden Anzeigen und Desinteresse vieler Leser gibt es keinen Grund eine verrückte Idee nicht umzusetzen. Ich gebe dazu Seminare an der ARD ZDF Medienakademie (https://www.ard-zdf-medienakademie.de/mak/seminare/54415/journalismus-der-dinge-neue-empfaenger-fuer-unsere-inhalte) und an der Akademie für Publizistik (https://t.co/LjBsgmggig).

Wenn es um Technik geht, wie könnten kooperative Modelle aussehen, damit die Technik nicht am Redakteur hängt?


Wenn wir Projekte entwickeln, arbeiten wir häufig mit Kunden in Ideen-Sprints. Da kommen Programmierer, Journalisten und Designer eine Woche lang zusammen. In so einer Woche kann man alles erfinden. Und natürlich muss man nicht alles selbstbauen. Es gibt ja Firmen, die für Journalismus offen sind. Ihr seid da ein gutes Beispiel.

Welche  Beispiele im #jot gefallen Dir gerade persönlich gut?

Ich mag sehr den Radmesser, wo das Team von Hendrik Lehmann beim Tagesspiegel Fahrräder der Leser mit Abstandssensoren ausgestattet hat. Und ich habe gehört, dass das Team von luftdaten.info nach dem Feinstaub jetzt Lärm angeht. Ein absolut unterschätztes Thema, da bin ich sehr gespannt, ob es eine journalistische Begleitung gibt. In der Recherche für mein Buch „Journalismus der Dinge“ war ich überrascht, wie viele Beispiele von Journalismus mit Sensoren es weltweit gibt.

Woran arbeitest Du? Was ist Dein nächstes #jot-projekt?


Um die Idee voranzubringen haben wir gerade in Stuttgart die erste Konferenz zum Journalismus der Dinge veranstaltet. Jetzt arbeiten wir an einer zweiten Auflage der Jot-Con (www.jotcon.de). Mit dem Start-up tactile.news, das ich mit Astrid Csuraji gegründet habe, arbeiten wir am ersten Spielzeug-Reporter fürs Kinderzimmer. Und natürlich arbeite ich an der Input-Seite. Es gibt so viele Tiere da draußen, deren Blick auf die Welt es wert ist erzählt zu werden. Mit der Produktionsfirma Sensor&Reporter entwickeln wir schon das nächste Format.

Vielen Dank für das Gespräch.

„Journalismus der Dinge. Strategien für den Journalismus 4.0“ ist im Halem-Verlag erschienen und kostet 29€. halem-verlag.de/journalismus-der-dinge
In seinem Blog riffreporter.de/journalismus-der-dinge berichtet Jakob Vicari von aktuellen Entwicklungen, stellt Projekte und neue Technologien vor.

Foto: Jacobia Dahm

Saim Alkan

Saim Alkan

Updates per Newsletter?

Eine Newsletteranmeldung hält dich auf dem laufenden mit neuen Artikeln und Informationen von
AX Semantics.

Use Case Konfigurator

Wir haben ein kleines Tool entwickelt, mit dem du checken kannst, ob unsere Software für dich passt.

Anschließend kannst du sie kostenfrei ausprobieren.

Achtung, Englisch ;-)